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Zuchterfolg beim Temminck-Rennvogel.

Veröffentlicht in leicht abgewandelter Form in “DIE VOLIERE”, Heft 9, 2006 und ergänzt um weitere Zuchterfahrungen aus 2007.

In Afrika kein seltener Vogel, ist der Temminck-Rennvogel in Liebhaberkreisen kaum bekannt. Die Zuchterfolge dürften sich daher in Grenzen halten. Mir ist nur eine dokumentierte Volierenzucht aus dem Tierpark Dählhölil, Bern, bekannt. Nach drei Jahren Haltung und einem Fehlversuch konnte bei mir 2006 der erste Jungvogel in “Naturbrut” aufgezogen werden. Ein Jahr später überlebten beide geschlüpfte Jungen.

Das Zuchtpaar Temminck-Rennvögel in der Wintergartenvoliere.

Über erste Haltungserfahrungen habe ich in “DIE VOLIERE”, 3/2004, berichtet. In der Zwischenzeit haben sich einige Haltungsbedingungen geändert. Die Unterbringung erfolgte bis Anfang 2005 noch in der beschriebenen Wintergartenvoliere. Mit Beginn der Bauarbeiten bezogen die Vögel eine Voliere von 200 x 100 cm Grundfläche im Dachgeschoß. Die geringe Grundfläche bereitete ihnen keine Schwierigkeiten. Problematisch gestaltete sich die weitere Besetzung mit zwei Paaren Pirolgimpel. Nicht dass es Streitereien gegeben hätte, das Problem war der Kot der Pirolgimpel. Er bindet auf dem Sandboden zwar schnell ab, doch die Rennvögel machen ihrem Namen alle Ehre und sind ständig zu Fuß unterwegs. Im Abstand von spätestens zwei Wochen musste ich ihnen die Füße waschen, um eine übergroße Klumpenbildung zu verhindern. Das Problem ist einfach, dass die Rennvögel nicht ins Wasser gehen und so eine Eigenreinigung stattfinden kann. Die Vögel waren auch in dieser kleinen Voliere weiterhin relativ zutraulich und reagierten nur hektisch, wenn jemand den Raum betrat, der ihnen fremd war. Die Raumtemperatur wurde bei gut 20 Grad gehalten.

Gelege auf dem flachen Sandboden.

Im März 2006 konnte ich bei der morgendlichen Fütterung ein Ei entdecken, ohne dass ich vorher bei den Vögeln andere Verhaltensweisen festgestellt hatte. Zwei Tage später lag ein zweites Ei daneben. Es wird keine Nest- mulde ausgebildet, die Eier liegen auf dem flachen Sand. Um unnötige Störungen zu vermeiden, wurde in die Tür- öffnung zu dem Raum eine 50 cm hohe Platte eingesetzt, diese Sperre akzeptierte mein Hund, konnte er doch gerade noch hinübersehen. Auch Besuchern war so ange- zeigt, dass ein Zutritt nicht erwünscht war. Die Vögel blieben weiterhin ruhig, allerdings konnte ich nie eine Bebrütung feststellen. Nach einigen Tagen lagen die Eier mehr als 20 cm voneinander entfernt. Im Tierpark Dählhölzli wurde im Brutkasten eine Inkubationszeit von 22 Tagen registriert. 30 Tage nach Ablage des ersten Eies entfernte ich das Gelege, es war unbefruchtet.

Bereits gut eine Woche später konnte wieder ein Ei festgestellt werden. Da ich mit diesem Verlauf gerechnet hatte, war in der Zwischenzeit keine Volierenreinigung vorgenommen worden. Im Interesse der Vögel konnte ich mit diesem Zustand leben. Pünktlich zwei Tage später lag das komplette Zweiergelege vor. Um bessere Einblicke in die Verhaltensweisen zu be- kommen, wurden zwei Kameras installiert, ein kleiner Fernseher diente als Monitor. Ein Geschlechtsunterschied aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes ist nicht festzustellen. Hier kamen mir die Pirolgimpel zu Hilfe , die einem der Vögel einen ordentlichen Klecks auf den Rücken setzten. Im Normalfall helfe ich dann bei der Reinigung mit der Blumenspritze und lauwarmem Wasser nach, doch jetzt war der helle Fleck recht willkommen.

Das Männchen beschützt das Gelege.

Zwei Küken sind geschlüpft und mit ihrer Tarnfarbe kaum zu sehen.

Auf dem Monitor war eindeutig zu sehen, dass nur der Vogel ohne Kotfleck brütete, zumindest in der Zeit zwischen 6 und 21 Uhr. Die lichtempfindlichen Kameras lieferten auch dann noch ein ordentliches Bild, wenn nur noch wenig Restlicht vorhanden war. Um es vorweg zu nehmen, nach der Brut konnte ich aufgrund der Ringnummer eindeutig feststellen, dass nur das Männchen gebrütet hat und später den Jungvogel betreute. Im Dählhölzli brüteten angeblich beide Altvögel.

In den ersten Tagen der Brutzeit verließ das Männchen das Gelege, wenn ich die Voliere zur Fütterung öffnete. Ab dem 7. Bruttag blieb es sitzen, das Weibchen kam bis auf wenige Zentimeter an den Napf heran und drohte mit gespreizten Flügeln in geduckter Haltung. Beide Vögel nahmen zu dieser Zeit nicht mehr die aus der Hand angebotenen Mehlkäferlarven an, sonst ein Ritual bei jeder Fütterung. In der Voliere befanden sich mehrere große Steine, zwei davon in einer Ecke, etwa 20 cm voneinander entfernt. 10 cm vor dem ersten Stein war das Gelege plaziert. Im Laufe der Brutzeit “wanderte” es halbkreisförmig um den Stein.

21 Tage nach Ablage des zwei- ten Eies erfolgte zwischen 15 und 18 Uhr der Schlupf beider Küken. Waren die Eier aufgrund ihrer Tarnfarbe schon schlecht zu entdecken, galt das für die Jun- gen noch mehr. Zweieinhalb Stunden später entfernte sich ein Küken noch recht wacklig etwa 20 cm vom Huderort, kehrte aber nach weniger als einer Minute wieder unter das Männchen zu- rück. Im Laufe der Brut und Auf- zucht habe ich mein Fernseh- pensum für das Jahr erfüllt.

Die Temperatur am Volieren- boden betrug morgens 20 Grad, um dann im Laufe des Tages etwas anzusteigen. Zusätzlich zum “Standard-Futter” (Mehl- würmer + Insektenfutter + Hütten- käse + Korvimin) standen nun vermehrt Buffalos, kleinste Mehl- würmer und kleine Heimchen zur Verfügung.

5 Tage altes Küken.

Die Heimchen fanden keinerlei Beachtung, die beste Akzeptanz lag bei den Buffalos und den kleinen Mehlwürmern (mit Korvimin präpariert). Zur Fütterung reckten die Küken sich empor und nahmen die vom Männchen angebotene Nahrung vom Schnabel ab. Ein Küken war deutlich schwächer und auch weniger lebhaft. Am dritten Lebenstag lief das stärkere Küken schon durch die ganze Voliere. Die Ausflüge dauerten immer nur wenige Minuten, dann ging es zurück unter das Männchen. Am vierten Tag lag das schwächere Küken tot unter dem hudernden Männchen. Am 6. Tag schlägt das Wetter um und es wird im Raum etwas kühler. Ein Rotlichtstrahler, über dem üblichen Huderplatz angeordnet, wird zwar vom Küken angenommen, doch der Vater wagt sich nicht darunter. Nach Auswechslung der Rotlichtlampe gegen einen Dunkelstrahler wird die Wärmequelle aber auch von ihm akzeptiert. Unter dem Strahler zeigt das Thermometer in Bodennähe 28 Grad.

Im Alter von 7 Tagen konnte erstmals beobachtet werden, dass das Küken selbständig Buffalos aus der Futterschale aufnahm. Hauptanteil der Nahrung waren zu diesem Zeitpunkt frisch gehäutete Mehlwürmer.

Am 10. Lebenstag kann davon ausgegangen werden, dass der Jungvogel etwa die Hälfte seiner Nahrung selbst aus dem Napf nimmt. Von Beginn an konnte ich mehr als 100 Fütterungsvorgänge beobachten und kann aus- schließen, daß eine Betei- ligung des Weibchens statt- gefunden hat.

14 Tage alter Jungvogel.

Wandlung nach weiteren 6 Tagen.

Die beiden gut drei Wochen alten Jungen aus 2007.

Der Jungvogel aus 2006 gedieh prächtig, sieben Wochen nach dem Schlupf begannen die Altvögel mit der Mauser.

Nach der Fertigstellung des neuen Wintergartens und der darin enthaltenen etwa 10 m2 großen Voliere siedelten die Vögel Anfang 2007 um. Sie teilten sich die Voliere mit einem Paar Dreiband-Re- genpfeifern und zwei Paaren Pirolgimpel mit ihren Jungen.

Im April war dann der Friede vorbei: Die Regenpfeifer wurden derart gejagt, dass ich sie aus der Voliere nehmen musste. Der Grund lag nahe und einige Tage später auch zwei Eier. Nach Ablage des zweiten Eies musste auch der Jungvogel des vorhergehenden Jahres entfernt werden.

Es wurde wiederum zuverlässig gebrütet und 21 Tage nach Ablage des zweiten Eies schlüpfen beide Küken innerhalb einer Stunde. Die Aufzucht erfolgte nach dem Muster des Vorjahres, es wurden jedoch beide Küken aufgezogen. Der Wettersturz Ende April brachte dann noch kurze Aufregung. Die Vögel gingen nicht unter die Wärmequelle, obwohl sie mit dem Dunkelstrahler ausgestattet war. Da der Huderplatz direkt an der Volierenbespannung lag, konnte von außen mit einem Flächenstrahler nachgeholfen werden.

Nahezu ausgefärbter Jungvogel im Alter von etwa 5 Monaten.

Die Haltung von Temminck- Rennvögeln ist für versierte Liebhaber nicht als unbedingt schwierig zu bezeichnen, mit der Zucht klappt es allerdings nicht ganz so einfach.

Die schwierige Situation beim Aufbau einer vitalen Volieren- population liegt darin, dass es für die Verpaarung der Nach- zuchten kaum blutsfremde Vögel gibt. Eine Zusam- menarbeit der wenigen Halter dieser Art ist daher be- sonders wichtig, sollen diese agilen Vögel nicht aus unse- ren Volieren verschwinden.

Eckhard Lietzow

Weitere Volierenaufnahmen vom Temmick-Rennvogel unter “Vögel in Volieren”.

Fotos aus der Brutsaison 2008