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Veröffentlicht in leicht abgewandelter Form in “DIE VOLIERE”, Heft 3 / 2006.
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Als in den 1970er Jahren bei mir die ersten Tarantapapageien einzogen, war diese damals noch seltene Art bei den Vogelliebhabern nicht sehr begehrt. Ein Grund lag in der relativ schlichten Färbung, ein anderer darin, dass nur sehr wenige Halter mit diesen Vögeln Zuchterfolge erzielten.
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Über das Freileben der Tarantapapageien (Agapornis taranta) lagen kaum Berichte vor, auch heute sind die Erkenntnisse noch recht spärlich. Mein lange gehegter Wunsch, “meine” Vögel in ihrer Heimat zu besuchen, liess sich aufgrund der unsicheren Lage in Äthiopien nicht verwirklichen. Seit einigen Jahren hat sich eine Normalisierung eingestellt und aus meinem Traum wurde Wirklichkeit.
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Auf geht´s
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Einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter, bestehend aus Karin und Heinz Lambert, Rudolf K. Wagner und dem als Begleiter gewonnenen Äthiopien-Spezialisten Marc Boussekey, konnte ich mich im Oktober 2005 anschließen. In erster Linie sollte die Reise dem Gelbstirn-Mohrenkopfpapagei dienen, doch auch der Tarantapapagei und der Rotbauchpapagei standen auf dem Programm.
Die Lufthansa transportierte uns in einem angenehmen 7-Sunden-Flug von Frankfurt nach Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Die erste positive Überraschung war das moderne neue Flughafengebäude, kein Vergleich mit der “alten Hütte”, die ich 1999 bei einer Zwischenlandung nach Tansania kennen gelernt hatte. Es muß berücksichtigt werden, dass Äthiopien mit einem Bruttosozialprodukt von 100 $ pro Kopf zu den ärmsten Ländern der Welt zählt (uns geht es demnach um 227 Mal besser!). Das Land hat etwa 67 Mio. Einwohner, denen eine Fläche zur Verfügung steht, die gut drei Mal so groß ist wie Deutschland. Allerdings sind einige Bergregionen nahezu unbewohnbar. Ein sanfter Tourismus könnte dem Land wichtige Devisen bringen und ist besonders für ornithologisch Interessierte ein Leckerbissen. Es sind bisher mehr als 850 Vogelarten nachgewiesen.
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In einigen Regionen müssen die Frauen weite Wege unternehmen, um Trinkwasser aus Quellen oder kleinen Bächen zu holen.
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Unsere erste Übernachtung fand in Addis Abeba in einem staatlichen Hotel statt, wo uns morgens schon die ersten Vögel begrüssten. Nach verschiedenen Besorgungen ging es dann in Richtung Süden. Etwa 140 km von der Hauptstadt entfernt liegt die kleine Stadt Ziway, wo wir unser Mittagessen einnehmen wollten. Der Höhenmesser zeigt hier nur noch 1.600 m ü. NN. an, das Essen ist warm, die Cola kalt und im Hotelgarten fliegen einige Kleinvögel umher. Plötzlich ein Ruf, der mir bekannt vorkommt. Tatsächlich, keine 15 m von unserem Tisch entfernt klettert ein Taranta-Männchen im Gezweig umher! Vorbei mit dem Essen, es gibt Wichtigeres. Wir entdecken nach kurzem Suchen eine Akazie mit einem unter etwa 30 Grad geneigten dicken Ast, an dessen Unterseite sich in knapp drei Metern Höhe ein Einschlupfloch befindet.
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Die Fütterungsvorgänge (Männchen und Weibchen) wiederholen sich in gleicher Weise noch einige Male, dann müssen wir nach gut zwei Stunden aufbrechen, da noch eine gute Strecke vor uns liegt. Unterwegs entdeckt Marc einen Baum, in dem sich ein Paar Rotbauchpapageien aufhält. Nach genauerer Untersuchung können wir auch hier ein aktives Nest feststellen und beobachten die Vögel fast zwei Stunden. Unser Fahrer drängt schon seit einiger Zeit, was wir erst verstehen, als wir für die letzten sieben Kilometer bis zum Camp fast eine Stunde brauchen (nicht zu Fuß, mit dem Auto!). Die Piste ist kaum als solche zu bezeichnen und wir erreichen unser Lager erst bei völliger Dunkelheit. Was für ein erfolgreicher erster Beobachtungstag!
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In diesem Camp verbringen wir drei Tage. Der Höhepunt ist die allmorgendliche Beobachtung der Gelbstirn-Mohrenkopfpapageien, die für jeweils gut eine Stunde zu ihren Futterbäumen am nahe gelegenen See kommen.
Nur wenige hundert Meter vom Camp entfernt befindet sich ein hoher, abgestorbener Baum an einem Waldrand. Hier sollen Gelbstirn-Mohren- kopfpapageien brüten. Nach kurzem Fußmarsch durch den Wald erreichen wir diesen Baum und bauen uns in sicherer Entfernung auf. Tatsächlich, es schaut ein gelber Kopf aus der Höhle. Nach gut einer halben Stunde bemerken wir etwa zwei Meter höher ein Taranta-Weibchen, das neugierig für eine knappe Minute aus einem kleineren Loch herausschaut. Es zieht sich dann zurück und ist für die nächsten Stunden nicht zu sehen, wahr- scheinlich brütet es noch. Die Höhle befindet sich in etwa 12 m Höhe und bei 1.700 m ü. NN.
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Bei einer erfolglosen Suche nach einem weiteren aktiven Nest der Gelbstirn-Mohrenkopf- papageien in größerer Entfernung vom Camp zeigt uns ein Dorfbewohner einen Baum, in dem Tarantapapageien brüten sollen. Der relativ kleine Baum steht nur etwa 10 m von einer Hütte entfernt. Unser Führer legt sein Ohr an den Stamm, die Höhle befindet sich gerade einmal in einer Höhe von etwa 1,70 m. Nach einer Weile grinst er und nickt, das Nest ist tatsächlich aktiv.
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Wir glauben ihm und lassen uns etwa 7 m vor dem Baum im Trockengras nieder. Nach einer Stunde tut sich immer noch nichts, außer, dass uns die Sandflöhe entdeckt haben und uns auf eine harte Geduldsprobe stellen. Dann aber in gut 20 m Entfernung ein Taranta-Männchen in einem hohen Baum. Nach einer Weile gesellt sich das Weibchen dazu. Die Flöhe sind vergessen, die Spannung steigt. Es dauert aber noch einige Minuten (oder eine Ewigkeit?) bis das Männchen den Brutbaum anfliegt und zur Höhle herab klettert. Es bleibt acht Minuten darin, mehrstimmige Bettelgeräusche sind zu vernehmen. Nachdem das Männchen abge- flogen ist, warten wir vergeblich auf einen Jungvogel am Höhleneingang, wahr- scheinlich sind die Jungen noch keine fünf Wochen alt. Nach einer Stunde vergeblicher Wartezeit machen wir uns auf den Weg zurück zum Camp.
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Nun waren für einige Tage erst wieder die Gelbstirn-Mohrenkopfpapageien unser Haupt- anliegen. Ein Inlandsflug brachte uns in Richtung Norden zum Tanasee wo wir ausgiebig ein Paar an der Bruthöhle beobachten konnten.
Der zweite Teil der Reise ging wieder in Richtung Süden, auch um zu sehen, was die Tarantapapageien in Ziway machten. Hierzu buchten wir uns eine Nacht in dem erwähnten Hotel ein (na ja, Hotel war schon etwas übertrieben). Am Anreiseabend ist es schon recht dunkel, ich kann nur noch beobachten, dass zwei Vögel in der Bruthöhle verschwinden. Am Morgen sitze ich ab 6:30 vor dem Baum und warte. Nach einer halben Stunde schaut ein Jungvogel aus dem Schlupfloch. Von mir unbemerkt hatte sich das Weibchen genähert, das Junge begann zu betteln. Es dauerte aber einige Minuten bis das Weibchen den Stamm anfliegt, sich rücklings unter den Ast hängt und unter starken Würgebewegungen den Jungvogel füttert.
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Inzwischen ist auch das Männchen eingetroffen, im Schlepptau drei bereits ausgeflogene Jung- vögel. Diese turnen im Geäst umher, beson- ders haben es ihnen die schwankenden Strom- leitungen angetan. Nach einigen Fütterungen fliegt die Familie wieder ab. Zurück bleibt ein verdutzt aus der Höhle schauender vierter Jungvogel. Er wagt sich aber auch schon so weit heraus, dass man Befürchtungen hat, er würde abstürzen.
Noch an zwei weiteren Stellen können wir Ta- rantapapageien beobachten. Eine direkte Fut- teraufnahme war an den unreifen Früchte der Ringelhülsenakazie festzustellen. Hier wurden auch ganz gezielt Blätter aufgenommen. Auch Feigen und Wacholderbeeren zählten zum Nahrungsspektrum. Ein Weibchen war aus- giebig in einem Maisfeld zu beobachten. Es
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hing an den etwa 20 cm langen Blütenständen und Rispen, um diese systematisch abzu- sammeln. Tarantapapageien zeigen in Äthiopien wenig Scheu und sind bei ruhigem Verhalten aus weniger als 10 m zu beobachten. Es liegt sicher auch daran, dass den Vögeln nicht nachgestellt wird und sie aufgrund der Waldabholzungen auf Dorfnähe und Gärten ausgewichen sind.
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Getrübt wurden unsere Erinnerungen an Äthiopien dann doch noch etwas. Drei Tage vor unserer Rückreise wurde in der Hauptstadt demonstriert und Polizei und Militär schritten rigoros ein. Das Ergebnis waren über 40 Todesopfer. Glücklicherweise war am dritten Tag alles vorbei, obwohl es fast gespenstisch war, durch fast leere Straßen der Hauptstadt zu fahren, wo sich sonst der Verkehr auf mehrspurigen Straßen nur mühsam fortbewegt. Andererseits muss man sagen, das zur gleichen Zeit die Demonstrationen und Brandanschläge in Paris fast zwei Wochen lang anhielten. In Sachen Vogelbeobachtung war die Reise ein enormer Erfolg. Nicht nur die Hauptdarsteller Gelbstirn-Mohren- kopfpapagei, Rotbauchpapagei und Tarantapapagei ließen sich ausgiebig beobachten und fotografieren, auch weitere mehr als 100 Vogelarten gingen uns vor die Linse.
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