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Rußköpfchen   

Agapornis nigrigenis           engl.: Black-cheeked Lovebird

Steckbrief

Beschreibung:

Erstbeschreibung 1906 durch Sclater. Größe ca. 14 cm, Gewicht 38 bis 47 g. Farbgebung s. Fotos.

 

Heimat:

Sambia im südwestlichen Bereich entlang des Sambesi, des Nanzhila River und anderer kleiner Flussläufe. In den letzten 50 Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet enorm verkleinert. In den Nachbarländern von Sambia kommen die Vögel nur noch sporadisch vor.

Lebensraum:

Trockene Steppengebiete mit lockerem Baumbestand ver-    schiedener Akazien und busch- artiger Mopanebewuchs in der Nähe von Wasserläufen.

Blätter des Mopanebaumes.

Die bewohnten Gebiete liegen auf einer Höhe von etwa 900 bis 1.000 m ü. NN. Gras- und Unkrautsa-  men, Blüten und Knospen, Blätter und gelegentlich auch Getreide bilden die Hauptnahrung der Rußköpf- chen. Gebrütet wird zwischen Februar und Mai in Baumhöhlen.

Während der Trockenzeit, die über mehr als sechs Monate andauern kann, führen die kleineren Flüsse kaum Wasser. Es bilden sich vereinzelnd Wasserstellen, die von den Vögeln dann regelmäßig aufgesucht werden. Im Monat Oktober konnten wir am Nanzhila River auf mehrere Kilometer Länge nur dieses eine Wasserloch finden.

Bevor die Vögel trinken, sammeln sie sich in einem Baum und sichern, bis der erste Mutige sich an das Wasser herab wagt. Es werden hastig einige Schlucke getrunken, dann der Platz für die näch-  sten Vögel freigemacht.

Status:

Es wird davon ausgegangen, dass der Freilandbestand zwischen 8.000 und 10.000 Vögeln liegt, damit ist das Rußköpfchen die bedrohteste Agapornisart. Fortschreitende Trockenheit, verbunden mit großen Ernteausfällen und der zwangsläufigen Verfolgung der Vögel auf den Feldern lassen die Zukunft der Rußköpfchen düster aussehen. Hinzu kommt, dass bei freilebenden Vögeln die Schnabel- und Federkrankheit (PBFD) fest- gestellt wurde.

Haltung:

Erst 1907 wurden Rußköpfchen eingeführt, sie zeigten sich bald als recht brutfreudig, dennoch wurde versäumt, Volierenpopula- tionen aufzubauen, der Nachschub kam aus der freien Wildbahn. Erst im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts begannen ernsthafte Bemühungen, den Bestand durch gezielte Zucht zu festigen.

Rußköpfchen können in der Voliere gut im Schwarm gehalten werden. Selbst in Volieren von 160 x 70 cm Grundfläche lassen sich zwei Paare in den meisten

Fällen problemlos halten und züchten. Die ideale Unterbringung ist eine kombinierte Innen- und Außenvoliere. Rußköpfchen machen von ihrer Stimme häufig Gebrauch, allerdings gibt es wesentlich lautere Agapornisarten, somit sollte die Haltung in der Zimmervoliere gut überlegt werden.

Ernährung:

Zusätzlich zu der im Steckbrief “Tarantapapagei” beschriebenen Ernährung bevorzu-  gen Rußköpfchen sehr kleine Saaten und zu entsprechender Jahreszeit verschiedene halbreife Gräser.

Zucht:

Eingangs wurde erwähnt, dass die Vögel bereits früher als brutfreudig bezeichnet wurden, das hat sich bis heute nicht geändert. Eine Schwierigkeit liegt in der Paarzu- sammenstellung, da nur geringe äußere Geschlechtsmerkmale erkennbar sind. Diese hier darzulegen würde zu weit führen, bei Interesse steht die unten genannte Literatur zur Verfügung.

Das Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die eine mittlere Größe von 22,2 x      17,4 mm aufweisen und wie alle Agapornideneier weiß sind. Gibt man den Vögeln regelmäßig frische Weidenzweige, bauen sie im Nistkasten ein nahezu überdachtes Nest. Der Vorteil liegt in einem besseren Mikroklima und es werden kaum Schupf-   probleme auftreten. Die Brutzeit beträgt 21 bis 22 Tage.

Das erste Dunenkleid der Küken ist lachsfarben und nicht sehr dicht, im Kopfbereich tragen die Dunenspitzen einen leichten Silberschimmer. Einige Paare füttern ihre Jungen sehr gut, so dass eine Beringung mit 4,0 mm-Ringen teilweise schon am 8. Lebenstag vorgenommen werden muß, in der Regel zwischen dem 10. uns 12. Tag.

Die Entwicklung geht rasch, mit etwa 30 Tagen sind Ruß- köpfchen voll befiedert, eine Woche später fliegen sie aus.

In den meisten Fällen wird das Weibchen bereits wieder mit der Eiablage begonnen haben. Auch wenn durch die im Nest übernachtenden Jungvögel eine Gefährdung einzelner Eier stattfinden kann, sollten die Jungvögel mindestens zwei bis drei Wochen bei den Eltern bleiben.

Hier finden Sie weitere Freilandaufnahmen vom Rußköpfchen

Hier weitere Volierenaufnahmen

Hinweise auf eigene Arbeiten:

Geschlechtsbestimmung beim Rußköpfchen Haltung und Zucht von Rußköpfchen             Rußköpfchen im Freiland und in der Voliere Agapornis: Status - Import - Nachzucht

Gefiederte Welt 6 / 1987           Papageien 8 / 1997                   AZ-Nachrichten 11 / 2007         AZ-Nachrichten 7 / 1999 ff.

J. & R. Ehlenbröker, E. Lietzow:                                             Agaporniden (Unzertrennliche), Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001