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Veröffentlicht in abgewandelter Form in “DIE VOLIERE” Heft 10 / 2006, hier ergänzt durch weitere Zuchterfahrungen in 2007.
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Die Namensgebung dieses selten eingeführten Afrikaners lässt auf einen pirol- artig gefärbten Gimpel schließen. Trifft beim Männchen die Farbbeschreibung noch weitestgehend zu, ist eine direkte Zuordunung zu den Gimpeln irreführend. Pirolgimpel werden der Gattung Linurgus zugeordnet.
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Herkunft
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Pirolgimpel (Linurgus olivaceus) leben in einigen Unterarten von Westafrika ostwärts bis Tansania und südlich bis Malawi in offenen Wäldern, bevorzugt an Waldrändern mit buschartigem Bewuchs. Ebenfalls wird Bambusgebüsch und verwildertes Farmland aufgesucht. Die Vögel sollen sich von Samen und Knospen ernähren, animalische Kost wird nicht ausgeschlossen, besonders zur Brutzeit, die zwischen Oktober und Januar liegt. Detaillierte Erkenntnisse über das Freileben sind kaum vorhanden.
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Deutlich ist das pirolartig gefärbte Männchen (rechts) vom Weibchen zu unterscheiden.
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In der Voliere
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Im Jahre 2004 konnte ich von dem bekannten Importeur Hofmeister, Oelde, zwei Paare dieser Vögel erwerben. Sie waren aufgrund der ordentlichen Unterbringung und Versorgung in hervorragendem Zustand, was Kondition und Gefieder anbetraf. Die Fotos dürften aussagekräftig genug sein, daher möchte ich auf eine Farbbeschreibung verzichten. Zunächst bezogen sie bei mir für etwa fünf Wochen eine 160 cm lange Kleinvoliere, die nur an der Vorderseite verdrahtet war.
Schon bald zeigte sich, dass die Vögel relativ ruhig, fast zutraulich, waren. Es fanden keine wilden Fliegereien, noch auffälliges Gezeter statt. Als bevorzugtes Futter stellte sich nach umfangreichen Versuchen eine Saatenmischung für Exoten und ein gutes Waldvogelfutter heraus. Das Waldvogelfutter, das einen hohen Fettanteil besitzt, wurde zu 1/3, die Exotenmischung zu 2/3 in einem Napf angeboten. Weiterhin bestand enormer Zuspruch am Keimfutter, das meine Agaporniden bekommen und an roter Kolbenhirse. Unverzichtbar ist Obst, besonders halbierte Äpfel, die auf einen Edelstahldorn aufgespieß werden. Weder Weichfutter noch Lebendfutter (Mehlwürmer, Buffalos) fanden Beachtung.
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Auch in einer größeren Wintergartenvoliere, die zusätzlich mit Rennvögeln und Regenpfeifern besetzt war, blieben die Pirolgimpel zwar aktiv, doch nicht scheu. Verschiedene Nist- möglichkeiten wurden nicht beachtet. Einhergehend mit Umbauarbeiten siedelten die Vögel 2005 in eine Innenvoliere im Haus um. Diese Voliere hat eine Grundfläche von 200 x 100 cm bei 180 cm Höhe. Auch hier gab es zwischen den Pirolgimpeln und den Rennvöglen keine Aggressionen. Im oberen Bereich befanden sich ausreichend Zweige unterschiedlicher Dicke und an einer Volierenwand zusätzlich Fichtenzweige. Ein dort integriertes Draht- körbchen und eine Plattform wurden auch nach Anbieten von Nistmaterial ignoriert.
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Da es meines Wissens bisher keine Pub- likation über eine erfolgreiche Zucht gibt, stieg die Spannung. Bei einer Kontrolle 14 Tage nach Feststellung der beiden ersten Eier zeigte sich aufgrund der Eifarbe, dass nur ein Ei befruchtet war. Drei Tage später lag ein frisch geschlüpftes Junges im Nest. Jetzt blieb abzuwarten, ob und womit eine Fütterung erfolgt. Zu dem bereits ange- sprochenen Futter wurde bereits seit ei- nigen Tagen allabendlich ein neuer Strauß Gräser gehängt. Lebendfutter fand zunächst noch keine Beachtung. Am nächsten Tag konnte ein gut gefüllter Kropf bei dem Jungen festgestellt werden. Es blieben na- türlich Zweifel, ob das vorhandene Fut- terangebot ausreicht.
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Anfang April 2006 lag dann ein Ei in einer Futterschale auf dem Futterbrett in 1,10 m Höhe. Zusätzlich zu den vorhandenen Nisthilfen wurden nun zwei halbhöhlenatrige Exoten-Nistkästen aufgehängt. Sie fanden zwar Beachtung, es wurde jedoch kein Nistmaterial eingetragen. Eine Lage Hobelspäne schien einem Weibchen zuzusagen. Bereits eine Woche später konnten bei einer Kontrolle zwei Eier fetgestellt werden, ein drittes folgte am nächsten Tag. Kontrollen wurden nun unterlassen, obwohl das brütende Weibchen zwar den Kasten verließ, wenn ich den Raum betrat, aber noch während meiner Anwesenheit wieder auf das Nest zurückkehrte.
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Am fünften Lebenstag des Jungvogels fehlten einige Mehlwürmer in der Schale und ich konnte beobachten, wie das Männchen auf dem Schalenrand saß und nach Prachtfinkenart einen Mehlwurm ausquetschte. Eine direkte Fütterung seites des Männchens war nicht zu beobachten.
Meine Verhaltensbeobachtungen ließen mich zu dem Entschluss kommen, den Kasten abzunehmen um den Jungvogel darin zu fotografieren. Hierbei gab es keine Komplikationen, bis zum 17. Lebenstag des Jungen. Beim Fototermin sprang es aus dem Nest und hüpfte durch den Raum. Der Raum wird gleichzeitig als Lager für alte Akten und Zeichnungsrollen genutzt. Es kam so, wie es kommen musste: der Flüchtling verkroch sich hinter einigen Kartons. Doch wahrscheinlich hatte ich bei dieser Räum- und Fangaktion mehr Schweiß auf dem Rücken als der Jungvogel. Wohlbehalten zurück in seinem Nest, blieb er zunächst auch brav darin. Bei einer Kontrolle zwei Stunden später drückte sich ein noch nicht flugfähiges graues Etwas am Volierenboden in eine Ecke. Zurücksetzen hatte keinen Sinn, so blieb abzuwarten ob die Eltern am Boden füttern und die Rennvögel, die inzwischen ebenfalls ein Küken aufzogen, den Zwerg duldeten.
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Bereits am nächsten Tag hat- te sich das Junge auf einem extra angebrachten Zweig, der schräg vom Volierenbo- den bis zu den anderen Sitzgelegenheiten reichte, hochgearbeitet und wurde dort von beiden Eltern gefüt- tert. Nach einem weiteren Tag konnten Flugversuche beob- achtet werden, vorwiegend aber noch unter Springen ab- zubuchen. Im Alter von 21 Tagen war der Flugschein dann bestanden und einige Tage später konnte ich die Futteraufnahme an der Kolbenhirse beobachten.
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Beide Nisthilfen waren inzwischen neu mit Hobelspänen bestückt und plötzlich lagen in einem einige Halme trockener Gräser. 12 Tage nach dem “Ausspringen” des ersten Jungvogels war bereits wieder ein Ei festzustellen. Inzwischen hatte ich zwei Kameras installiert, eine mit Blick in den Nistkasten, die andere Richtung Futterbrett. Ein nennenswerter Nestbau fand wiederum nicht statt, die wenigen eingetragenen Gräser bildeten nur eine schwache Unterlage auf den Hobelspänen. Im Abstand von jeweils einem Tag wurde das Gelege auf drei Eier komplettiert. Es konnte mit der infrarot-unterstützten Kamera festgestellt werden, dass auch nachts nur das Weibchen brütete. Fütterungen durch das Männchen erfolgten gelegentlich, das Weibchen flog jedoch öfter das Futterbrett und die Gräser an, um selbst Nahrung aufzunehmen.
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Der erste Schlupf aus diesem Gelege erfolgte 16 Tage nach Ablage von Ei 2 nachmittags zwischen 16 und 18 Uhr, der nächste am darauffolgenden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr. Ei Nr. 3 lag am Nachmittag aufgebrochen mit einem toten Jungen am anderen Ende der Voliere auf dem Boden. Auch während dieser Aufzucht konnte nur zwischen dem 5. und 12. Lebenstag der Jungen beobachtet werden, dass das Männchen Mehlwürmer ausquetschte. Mehr noch als in der ersten Brut wurden von den Altvögeln die Gräser nach Samen abgesucht, auch Löwenzahnsamen waren heiß begehrt. Der Anteil der Fütterungen im Nest lag beim Weibchen deutlich höher als beim Männchen. 18 Tage nach dem Schlupf saßen morgens beide Jungvögel im Geäst. Sie waren von Beginn an geschickter als das erste Junge.
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Das Brutjahr 2007
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Nach Fertigstellung der Um- bauarbeiten an meinem Wintergarten und Einrich- tung der neuen etwa 10 m2 großen Voliere siedelten die Vögel Anfang 2007 um. Beide Paare mit den drei Jungen, ein Paar Regen- pfeifer und das Paar Tem- minck-Rennvögel mit ihrem Jungen bildeten die neue Gemeinschaft.
Man soll keine vorschnellen Erkenntnisse aus einer oder zwei Bruten ziehen: in 2007 wurde alles anders! Auch in der neuen Voliere gab ich als Nisthilfe die Halbhöhlen, die mit Fichtenzweigen kunstvoll verkleidet waren. Es dauerte alledings nur eine Woche, dann sahen die
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Zweige aus wie hart geschundene Handfeger. Die Fichtennadeln hatten es den Vögeln besonders angetan. Im April bauten dann beide Weibchen jeweils ein umfangreiches Nest in die Kästen. Trockener Farn, Gräser, Kokosfasern und Sharpie fanden als Baumaterial guten Anklang. Trotz der wesentlich größeren Voliere als im Vorjahr zeigte sich ein Paar äußerst dominat und das zweite Weibchen konnte ihr Gelege erst beginnen, als das erste Paar bereits die Jungen fütterte. In beiden Fällen wurden vier Eier gelegt. Bei Paar 1 schlüpften drei Junge, wobei eines am zweiten Tag spurlos verschwunden war. Bei Paar 2 schlüpften zwei Junge.
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Und wieder neue Über- raschungen! Nach den nicht schlechten Erfahrungen der beiden letzten Jahren mit dem Besatz von beiden Paaren in einer Voliere haben es sich die Vögel anders überlegt. Aufgrund des milden Winters begann der Bruttrieb schon Ende Februar. Das dominante Paar baute ein umfangreiches Nest und das Weibchen legte drei Eier, brütete aber nur gut drei Tage. Die Jagerei untereinander war so stark, dass ich das zweite Paar und die Jungvögel aus der Voliere nehmen musste. Augen- blicklich bebrütet das Weibchen das Vierer-Nachgelege zuver- lässig.
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Eckhard Lietzow
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Auf der AZ-Hauptversammlung am 5. und 6. April 2008 wurde mir für “die seltene und schwierige Zucht des Pirolgimpel” die große AZ-Medaille in Gold verliehen.
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